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SSP3-7.0: Regionale Rivalität - CDR-Ziel

Weitere Modellläufe zu SSP3-7.0: [Baseline] | [mit CDR-Ziel + Politik]

Kurzbeschreibung Szenario SSP3-7.0 (Regionale Rivalität):

Wachsende existenzielle Sorgen in der Gesellschaft werden politisch nur unzureichend adressiert und führen zu verstärkter Polarisierung sowie zu einem Vertrauensverlust in demokratische Institutionen. Nationalistische Bewegungen gewinnen politisch an Einfluss und setzen protektionistische Maßnahmen durch, wodurch der internationale Handel auf wenige Partner mit ähnlichen Wertvorstellungen beschränkt wird. Dies führt zu wirtschaftlicher Stagnation, die die Mittelschicht in Deutschland schwächt und regionale sowie soziale Ungleichheiten verschärft. Die wirtschaftliche Entwicklung fokussiert sich auf traditionelle Industriezweige und die Rückverlagerung von Industrie und Produktion nach Deutschland. Umweltstandards sowie Klima- und Ressourcenschutz werden abgeschwächt, während die Förderung nationaler fossiler Energiereserven reaktiviert und ausgebaut wird. Das führt dazu, dass die deutschen und globalen Treibhausgasemissionen stark ansteigen und der globale Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts etwa 3,6 °C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau erreicht. Investitionen konzentrieren sich vor allem auf den Sicherheits- und Verteidigungssektor, während die Förderung von Bildung und technologischer Entwicklung stagniert. Infolge sinkenden Wohlstands und rückläufigen gesellschaftlichen Konsums schrumpft der Dienstleistungssektor deutlich, und die Beschäftigung verlagert sich zunehmend in den primären Sektor (Landwirtschaft, Forstwirtschaft) und die Industrie. Unterbrochene Migrationsströme sowie der demografische Wandel führen zu einem Bevölkerungsrückgang. Trotz eines zunehmenden Zusammenhalts innerhalb einzelner sozialer Gruppen bleiben soziale und regionale Ungleichheiten bestehen, und das Armutsrisiko steigt deutlich an. Eine detaillierte Beschreibung des gesamten Szenarios finden Sie hier.

Modellierungslauf CDR-Ziel
In diesem Modellierungsdurchgang wird zusätzlich zu den Baseline-Bedingungen eine erhöhte Nachfrage nach Kohlenstoffentnahme berücksichtigt, um das CDR-Ziel von 40 Mt CO₂-Äquivalenten bis 2045 zu erreichen. Diese erhöhte Nachfrage wird durch Landnutzung und Forstwirtschaft (LULUCF-Sektor) sowie andere natürliche Kohlenstoffsenken gedeckt. Im Gegensatz dazu gibt es keine Nachfrage nach BECCS. Eine detaillierte Beschreibung der verschiedenen Modellierungsläufe und ihrer Annahmen finden Sie hier.

  • CDR-Portfolio
  • Landnutzungskarte
  • Landnutzungsänderung
  • Download

ssp370_runB_CDR_areas_linscale.pngDie Abbildung zeigt mit Unsicherheiten behaftete Modellierungsergebnisse, ein Download ist am Ende der Seite möglich.

Erläuterungen zur Abbildung „CDR-Portfolio“

Die Darstellung zeigt den kumulierten Flächenverbrauch der verschiedenen modellierten landbasierten CDR-Methoden im zeitlichen Verlauf von heute (2020) bis zum Ende des Jahrhunderts (2100). In der Modellierung ist nur die Nachfrage nach Pflanzenkohlenstoff berücksichtigt, die Kohlenstoffflüsse des gesamten Landsystems (z.B. Kohlenstoff im Boden, CO2-Emissionen) sind dagegen nicht abgebildet.

Somit zeigt die Abbildung keine Senkenpotenziale, sondern eine vereinfachte Darstellung der CDR-Flächenpotenziale, die unter Berücksichtigung folgender Limitierungen zu interpretieren sind:

  • Der Waldumbau umfasst nur den Wechsel von höheren zu niedrigeren Bewirtschaftungsintensitäten (z.B. hoch intensiver Forst zu Naturwald). 
  • Aufforstung fasst die Flächenzunahme aller Bewirtschaftungsformen im Forst (wenig bis hoch intensiv bewirtschafteter Wald sowie Naturwald) zusammen.
  • Es werden lediglich die Flächenzugewinne der einzelnen CDR-Maßnahmen dargestellt, die über den gesamten Zeitraum bestehen bleiben. Gehen solche CDR-Flächen im Laufe der Zeit wieder verloren (z.B. Verlust von vorher neu entstandenen Waldflächen), werden diese nicht berücksichtigt. 
  • Die Abbildung zeigt dem LULUCF-Sektor zugeordnete CDR-Maßnahmen, weshalb die Flächenpotenziale von BECCS, das per Definition nicht dem LULUCF-Sektor angehört, nicht dargestellt werden.
  • In der Modellierung wurden vorrangig waldbasierte CDR-Maßnahmen berücksichtigt, weshalb Carbon Farming (z.B. Veränderungen in der Bewirtschaftungsform bzw. -intensität in der Landwirtschaft) in dieser Darstellung nicht auftaucht.

Eine Aussage über die Senkenleistung der dargestellten Flächen kann erst nach Modellierung der gesamten Kohlenstoffflüsse sowie folgender weiterer Informationen getroffen werden:

  • Landnutzungshistorie: Die vorherige Nutzungsform hat erheblichen Einfluss auf das tatsächliche Senkenpotenzial einer Fläche (z.B. Aufforstung auf vormals extensivem Weideland oder intensiv bewirtschaftetem Ackerland).
  • Veränderungen land- und forstwirtschaftlicher Bewirtschaftungsintensitäten im Zeitverlauf und deren Auswirkungen auf die Emissionen sowie das Senkenpotenzial (z.B. der Wechsel von extensiv zu intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen oder umgekehrt).
 

Hintergrundinformationen

  • Ausführliche Beschreibung der Szenarien
  • Beschreibung der Modellierungsläufe
  • Methodik und Legende
  • Beschreibung des Bewertungsrahmens
  • Unsicherheiten und Limitierungen
Raumbezugsebene:

Bezugsjahr:
    
 

 

Erläuterung und Interpretation der Landnutzungskarte

Die Landnutzungskarte zeigt eine mögliche Entwicklung der Landnutzung in Deutschland für das Szenario SSP3-7.0 für den Zeitraum 2020 bis 2100. Die zugrunde liegenden Annahmen sind den Beschreibungen der Szenarien und der Modellierungsläufe zu entnehmen. 

Die vorliegende Interpretation bezieht sich auf den Modellierungslauf “CDR-Ziel” und beschreibt die wesentlichen Landnutzungsänderungen entlang von Kernaussagen sowie raumzeitlicher Charakteristika. Diese sind als Veränderungen im Vergleich zum Modellierungslauf “Baseline” zu interpretieren, der als Ausgangspunkt der Betrachtung dient. Die Veränderungen spiegeln somit Abweichungen bzw. Entwicklungen relativ zum Ausgangsniveau wider.

Im Vergleich zur Baseline wird deutlich, dass die gewünschte Senkenleistung insbesondere über die Aufforstung von Naturwald zum Ende des Jahrhunderts angestrebt wird. Synergieeffekte mit Biodiversität spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

Hoher Nutzungsdruck begrenzt das CDR-Flächenpotenzial in der ersten Hälfte des Jahrhunderts

  • Im Vergleich zur Baseline führt der weiterhin hohe Nutzungsdruck in der ersten Hälfte des Jahrhunderts zu keinen wesentlichen Strukturveränderungen in der Landnutzung, da die Produktionssicherung in Land- und Forstwirtschaft weiterhin hohe Priorität hat.
  • Abnehmende Nutzungskonkurrenzen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts führen zu einer starken Aufforstung von Naturwald zulasten landwirtschaftlicher Fläche (insbesondere mittlerer Intensität)
  • Aufforstung von Grünland findet insbesondere im Südosten und Nordwesten statt, wohingegen Ackerflächen eher im Nordwesten aufgeforstet werden.
  • Im Vergleich zur Baseline ist der Ausbau von Abbau-, Industrie- und Infrastrukturflächen geringer.
Leichter Rückgang der landwirtschaftlichen Fläche durch die zusätzliche Nachfrage nach CO2-Bindung

  • Die Sicherung der nationalen Ernährungssicherheit besitzt weiterhin hohe Priorität, wodurch die landwirtschaftliche Entwicklung bis 2070 weitgehend dem Baseline-Szenario gleicht.
  • Landwirtschaftliche Flächen nehmen zum Ende des Jahrhunderts stärker ab, da diese aufgrund des zusätzlichen CO2-Bedarfs zu Naturwald aufgeforstet werden.
  • Langfristig konzentriert sich die verbleibende intensive landwirtschaftliche Produktion auf großflächige, fruchtbare Standorte im Norden und Nordosten Deutschlands.
  • In anderen Regionen nehmen Renaturierung und extensive Nutzungsformen zu, wodurch die räumliche Konzentration der Landwirtschaft gegenüber der Baseline zunimmt.
Starke Aufforstung von Naturwald durch nachlassende Nutzungskonkurrenzen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts
  • Bis zur Mitte des Jahrhunderts erfolgen Aufforstung und Waldumbau vergleichbar zur Baseline.
  • Aufgrund nachlassender Nutzungskonkurrenzen wird zum Ende des Jahrhunderts großflächig Naturwald insbesondere in Süd- und Mitteldeutschland aufgeforstet.
  • In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verschiebt sich der Fokus der Forstwirtschaft zunehmend von der Holzproduktion hin zur Kohlenstoffbindung.
  • Bei weiterhin großflächig bestehenden und intensiv genutzten Waldflächen wird zum Ende des Jahrhunderts ein Teil zu Naturwald umgebaut.

Multifunktionale Landnutzungsformen kommen in begrenztem Umfang auf

  • Erste multifunktionale Landmanagementansätze wie Agroforstsysteme entstehen gegenüber dem Baseline-Szenario.
  • Der Ausbau erfolgt selektiv in ertragsärmeren, dünn besiedelten oder kleinstrukturierten Agrarräumen.
  • Die Etablierung dieser Systeme ist funktional motiviert und dient der Kombination landwirtschaftlicher Erträge mit zusätzlicher Biomasseproduktion aufgrund nachgefragter CO2-Bindung.
  • Insgesamt bleiben multifunktionale Landnutzungsformen räumlich begrenzt und strukturell von nachgeordneter Bedeutung.

Landnutzungsänderung in Deutschland (2020 bis 2100)

Die Abbildung zeigt mit Unsicherheiten behaftete Modellierungsergebnisse, ein Download ist am Ende der Seite möglich.

Erläuterung und Interpretation der Abbildung „Landnutzungsänderung“

Die Abbildung zeigt die Landnutzungsentwicklung in Deutschland im Modellierungslauf “CDR-Ziel” von 2020 bis 2100 im Vergleich zum Modellierungslauf “Baseline”. Dargestellt sind die prozentualen Anteile verschiedener Landnutzungskategorien, die unter “Methodik und Legende” ausführlicher beschrieben sind. Im Fokus stehen jene Veränderungen, die sich aus der zusätzlichen Vorgabe eines expliziten CDR-Ziels im LULUCF-Sektor ergeben, während das zugrunde liegende sozioökonomische Szenario unverändert bleibt.

Leichte Flächenrückgänge bei konstanten Bewirtschaftungspraktiken in der Landwirtschaft 

  • Die Ackerbaufläche nimmt im Vergleich zum Modellierungslauf “Baseline” über alle Bewirtschaftungsintensitäten ab. Der Rückgang vollzieht sich insbesondere in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, ab 2070/80. 
  • Auch das Grünland nimmt im Vergleich zum Modellierungslauf “Baseline” etwas stärker ab. Vor allem die Zunahme des hochintensiv genutzten Grünlands findet dabei in der zweiten Jahrhunderthälfte in deutlich geringerem Ausmaß statt.
  • Insgesamt lassen sich keine grundlegenden Verschiebungen der landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsintensitäten im Vergleich zum Modellierungslauf “Baseline” erkennen. 
  • In der landwirtschaftlichen Produktion zeigen sich lediglich leichte Rückgänge, die Versorgungsengpässe erzeugen und Überproduktion mindern können.

Starke naturnahe Aufforstung zum Ende des Jahrhunderts

  • Die Entwicklung der Forstwirtschaft verläuft zunächst ähnlich zum Modellierungslauf “Baseline”. Ab 2060 findet eine drastische Aufforstung statt. Diese zeichnet sich insbesondere durch eine starke Ausweitung von Naturwald aus, bei gleichzeitigen Rückgängen hoch- und niedrigintensiv bewirtschafteter Wälder.
  • Diese Entwicklung findet insbesondere zu Lasten von Ackerbau und Grünland aller Bewirtschaftungsintensitäten statt.
  • Durch die Ausbreitung von Naturwald ohne Nutzung bei gleichzeitigen Rückgängen hoher Bewirtschaftungsintensitäten sinkt die Holzproduktion (Laub- und Nadelholz) insgesamt. Da Bevölkerungsrückgänge und eingeschränkte Handelsbeziehungen die Nachfrage verringern, wird naturnahen Wäldern Vorrang eingeräumt, ohne Versorgungsengpässe zu generieren.

CDR erfolgt vor allem durch Aufforstung und nicht in der Landwirtschaft

  • Die Einführung des CDR-Ziels wirkt sich nicht positiv auf Bioenergie- und Moorflächen aus, die im Vergleich zum Modellierungslauf “Baseline” im Verlauf des Jahrhunderts teilweise stärker abnehmen. 
  • Multifunktionale Flächen wie Agroforst gewinnen früh an Bedeutung, ehe sie zur Mitte des Jahrhunderts stagnieren. Insgesamt machen diese aber nur einen geringen Anteil an der Gesamtfläche aus. 
  • Die Entwicklungen in Land- und Forstwirtschaft zeigen, dass das zusätzliche CDR-Ziel in diesem Modellierungslauf insbesondere über Aufforstung angestrebt wird. Im Gegensatz dazu bleiben die landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsintensitäten weitgehend unverändert, sodass zusätzliche Kohlenstoffsenken im landwirtschaftlichen Bereich in diesem Szenario nur eine untergeordnete Rolle spielen.
  • Insgesamt begrenzen die hohen Nutzungskonkurrenzen die zusätzliche Senkenleistung in der ersten Hälfte des Jahrhunderts. Erst in der zweiten Hälfte ermöglichen abnehmende Nutzungskonkurrenzen infolge des Bevölkerungsrückgangs eine stärkere Ausweitung der Senkenleistung.
  • Die Flächen für Solar-/PV-Nutzung sowie Siedlungsflächen bleiben weitgehend stabil.

Nachlassende Nutzungskonkurrenzen wirken sich positiv auf Ökosystemleistungen in der zweiten Jahrhunderthälfte aus

  • Im Vergleich zum Modellierungslauf “Baseline” wirkt die Einführung des CDR-Ziels dem rückläufigen Trend in Ökosystemleistungen entgegen, sobald Nutzungskonkurrenzen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts abnehmen. 
  • Dies führt zu Anstiegen regulierender Ökosystemleistungen (Biodiversität, Hochwasserschutz), wenngleich diese gesellschaftlich keine große Bedeutung besitzen.
  • Durch diese Entwicklungen steigt auch der Erholungswert der Landschaft im Vergleich zum Modellierungslauf “Baseline”, wenngleich die zeitliche Entwicklung deutlich macht, dass der zunächst negative Entwicklungstrend in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts umgekehrt, das Ausgangsniveau (2020) allerdings nicht wieder erreicht wird. 

Downloads zu SSP3-7.0

Download der Abbildungen des Szenarios:https://nextcloud.imk-ifu.kit.edu/s/gPjoraqnc5mWQ34?dir=/output_25_04/maps_stats_plots/ssp370/land_use_change
Download der Karten des Szenarios:https://nextcloud.imk-ifu.kit.edu/s/gPjoraqnc5mWQ34?dir=/output_25_04/maps_stats_plots/ssp370/land_use_maps
Alle den Karten und Abbildungen zugrundeliegenden Daten können hier abgerufen werden.
Wichtige Publikationen und weiterführende Literatur zum Thema finden Sie hier.
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